Aktuelle Veranstaltungen

Marx’ «Kapital» lesen mit David Harvey Buchvorstellung mit Christian Frings 07.02.2012 um 19.00 Uhr in der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Seit vierzig Jahren bringt der in den USA lehrende Geograf und Gesellschaftstheoretiker David Harvey jährlich in seinen Kapitalkursen den unterschiedlichsten Menschen die Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx näher. Aus Audio- und Videoaufnahmen seiner Kurse hat Harvey 2010 ein Buch erstellt, das letztes Jahr bei VSA auf Deutsch erschienen ist. Sein „Begleiter für Fortgeschrittene und Einsteiger“ ringt auf ganz besondere Weise mit dem Problem, einen Text zugänglich zu machen, der sich in vielfacher Weise heutigen Lesegewohnheiten und Wissenschaftsvorstellungen versperrt: den ersten Band des „Kapitals“ von Marx. In der Veranstaltung wird der Übersetzer der deutschen Ausgabe die Herangehensweise von Harvey erläutern, die zugleich mit einer bestimmten Interpretation des Marxschen Hauptwerks verbunden ist, die frei von epigonenhafter Verehrung auch auf Schwachpunkte hinweist. Mit der Entschlüsselung des Texts will Harvey zugleich zeigen, worin die Aktualität dieser fast 150 Jahre alten Kritik des Kapitalismus besteht und was sie zum Verständnis der aktuellen globalen Krise beitragen kann. Und damit weist er dieser Kritik eine ganz praktische Bedeutung für die Kämpfe der kommenden Jahre zu, die im Zentrum seines Interesses stehen – wie z.B. seine jüngsten Kommentare zu den Riots in England und der globalen Occupy-Bewegung zeigen.

David Harvey Marx’ »Kapital« lesen

Ein Begleiter für Fortgeschrittene und Einsteiger

VSA Verlag Hamburg

416 Seiten | 2011 | 24.80 € | ISBN 978-3-89965-415-8

Datum: 07.02.2012 um 19 Uhr

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1

(Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Anmeldung bei: muzzupappa@rosalux.de

 

Satellitenseminare 2011

Karl Marx’ Kritik der politischen Ökonomie bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Seit 2006 finden in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Kapital-Kurse statt. In wöchentlichen Treffen wird das Hauptwerk von Karl Marx, Das Kapital, gemeinsam diskutiert. TeamerInnen strukturieren die Sitzungen, die Teilnehmenden stellen die gelesenen Textabschnitte kurz vor. Externe TeamerInnen laden wir zu Wiederholungssitzungen ein (Michael Heinrich) oder zum Thema Leben und Werk Karl Marx’ (Rolf Hecker). Um die Kapital-Lektüre herum kreisen übers Jahr verteilt verschiedene „Satellitenseminare“. Hier werden ausgewählte Probleme und Fragen zum Kapital und darüber hinaus vertieft: Wie unterscheiden sich herrschende Wirtschaftstheorien von der Marx’schen Kritik der Politischen Ökonomie? Wie steht es um die Möglichkeit, mit Marx die Geschlechterverhältnisse kritisch zu reflektieren? Wie lassen sich ökologische Fragen mit und im Anschluss an Marx diskutieren? Und nicht zuletzt: Welchen Spielraum haben soziale Auseinandersetzungen angesichts gegebner Handlungsstrukturen im Marx’schen Sinne?

Satelliten sind offen für alle Interessierten. Vorkenntnisse des Marxschen Kapital sind hilfreich.

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Um Anmeldung bei Valeria Bruschi und Antonella Muzzupappa wird gebeten.

Programm der Satellitenseminare 2011 als pdf-Datei

Die Satellitenseminare im Jahr 2011:


 
30. Mai 2011, 19.30 Uhr
Mit Ingo Stützle
Was ist Geld?
…bei Marx, Keynes und in der Neoklassik. Eine Kategorie, drei Antworten.

Geld regiert die Welt. Diese geflügelten Worte sind nicht nur in den Alltagsverstand eingebrannt, sie bilden auch den Kern der politischen Ökonomie. Geld bzw. die Verfügung über dasselbe, Preise und Produktionskosten sind aus der politischen Ökonomie nicht wegzudenken. Dennoch herrscht aufdringliches Schweigen um das Phänomen des Geldes. In der Neoklassik ist Geld der Produktion theoretisch äußerlich und nur „Schleier“ über einem imaginierten Naturaltausch. In der ökonomischen Theorie in der Tradition von Keynes ist Geld weit wichtiger: Ökonomie ist hier wesentlich Geldwirtschaft. Dennoch reduziert sich hier Geldtheorie auf einen Funktionalismus. Die entscheidende Frage wird jedoch überhaupt nicht gestellt: Was ist Geld? Diese Frage zu stellen und zu beantworten unterscheidet Marx’ Kritik der politischen Ökonomie von Klassik/Neoklassik und Keynes. Wieso, weshalb, warum soll dieser Satellit klären.

 
 
11. Juli 2011, 19.30 Uhr (Es war am 4.7. geplant und es ist verschoben worden!)
Mit Ariane Brensell
Kein Kapitalismus ohne (hierarchische) Geschlechterverhältnisse!

Der Kapitalismus dreht sich nicht nur um die  Ware Arbeitskraft: Der Kapitalismus benötigt zu seiner erweiterten Reproduktion ein Hinterland, welches selbst nicht nach Kapitalgesetzen reguliert ist (Rosa Luxemburg). Rosa Luxemburg hat dies für den Kolonialismus analysiert, Feministinnen haben gezeigt, in welcher Weise dieses “Hinterland”  nicht nur durch Rassismus und Kolonialismus, sondern auch durch hierarchische  Geschlechterverhältnisse hergestellt wird.  So gedacht sind Geschlechterverhältnisse ein – meist unsichtbarer – Dreh- und Angelpunkt des kapitalistischen Systems. Marxismus und Feminismus gehören dringend zusammengedacht. Dies ist im Anschluß an Marx und seine Analyse denkbar, es wird aber in den meisten marxistischen Theorien  ignoriert. Damit – so die These der Veranstaltung – wird eine zentrale Dynamik von kapitalistischer Hegemonie unsichtbar. Doch Kapitalismuskritik wird erst dann radikal,  wenn sie die Produktion der  Geschlechterverhältnisse mit erfasst.

 
10. Oktober 2011, 19.30 Uhr
Mit Jana Flemming
Natur als Gratisprodukt? Das Verhältnis von Gesellschaft und Natur in der Kritik der Politischen Ökonomie … and beyond

Dass die kapitalistische Produktion zu einer zerstörerischen Entwicklung der gesellschaftlichen Naturverhältnisse tendiert, war Marx durchaus bewusst. Begründet sah er dies u.a. darin, dass im Tausch von den natürlichen Qualitäten der Produkte abstrahiert wird. Dennoch herrschte in der marxistisch geprägten Linken lange Zeit ein unkritischer Fortschrittsoptimismus. Dieses Ideal technischer Beherrschbarkeit der Natur nahm die damit einhergehende Naturausbeutung nicht in den Blick. Bei Marx spielt die Kategorie “Arbeit” eine zentrale Rolle für die Wechselwirkungen von Gesellschaft und Natur. Inwiefern bleibt vor diesem Hintergrund, wie Marx selbst schreibt, “die Produktivität der Arbeit an Naturbedingungen gebunden”? Daran und an aktuelle Debatten anknüpfend, stellt sich die Frage, ob der Kapitalismus unweigerlich an ‘natürliche Grenzen’ stößt oder ob er in der Lage ist, seine ökologischen Widersprüche zu bearbeiten. Über Marx hinausgehend soll in dem Seminar weiter analysiert werden, wie soziale und ökologische Problemlagen miteinander verschränkt sind – sowohl entlang ungleicher Geschlechterverhältnisse als auch rassistischer Unterdrückung.

 
14. November 2011, 19.30 Uhr
Mit Frieder Otto Wolf
Politik mit dem „Kapital“?
Soziale Kämpfe zwischen Struktur und Handlung

Jeder kennt den Anfang aus dem Manifest der Kommunistischen Partei, dass alle Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen ist. Alle, die zumindest das Vorwort und das erste Kapitel des marxschen Kapitals gelesen haben, kennen aber ebenso die Formulierung von der “Charaktermaske” und dass die Gestalt Kapitalist zwar “keineswegs in rosigem Licht” erscheint, diese aber nur behandelt wird, soweit “sie die Personifikation ökonomischer Kategorien” ist, “Träger von bestimmten Klassenverhältnissen und Interessen”. Einzelne, so Marx weiter, könne man nicht “verantwortlich machen für Verhältnisse, deren Geschöpf” sie sozial bleiben, sosehr sie “sich auch subjektiv über sie erheben” vermögen. Was nun? Ist der Kapitalismus eine unveränderbare Struktur? Welcher Spielraum bleibt für den Klassenkampf innerhalb der gesellschaftlichen Struktur, wie sie Marx im Kapital analysiert?  Wie kann man „Politik“ im und gegen das Kapitalverhältnis mit dem marx’schen Kapital denken?