Satellitenseminare 2010

Karl Marx’ Kritik der politischen Ökonomie bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Satellitenseminare – was ist das? Seit 2006 werden in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Kapital-Lektürekurse angeboten. Um diese regelmäßigen Lesetreffen herum kreisen verschiedene Satellitenseminare zu ausgewählten Fragen und Diskussionssträngen auf dem Feld der Kritik der Politischen Ökonomie: Welche unterschiedlichen Lesarten der Marx’schen Theorie gab und gibt es? Welche Rolle hat das bürgerliche Recht im Marx’schen Werk, wie haben sich AutorInnen wie Rosa Luxemburg oder David Harvey von Marx für ihre Imperialismustheorien inspirieren lassen? Wie steht es um die Möglichkeit, mit Marx die Geschlechterverhältnisse kritisch zu reflektieren? Und nicht zuletzt: Wie können wir mit Marx die Wirtschaftskrise verstehen?

Satelliten sind offen für alle Interessierten. Vorkenntnisse des Marxschen Kapital sind hilfreich.

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Um Anmeldung bei Valeria Bruschi und Antonella Muzzupappa wird gebeten.

Die Satellitenseminare im Jahr 2010:

Thomas Marxhausen: Den Stachel ziehen? Konflikte um die Edition der Manuskripte von Marx und Engels

Viele Manuskripte der Autoren Marx und Engels wurden nicht für die Veröffentlichung geschrieben, auch schloss Marx Das Kapital nie ab. Wann, wie und was jedoch im Laufe der Jahrzehnte davon publiziert wurde, das ist bis heute eine von Konflikten gezeichnete Geschichte. Der historisch erste Versuch, eine kritische Marx-Engels-Edition (MEGA1) herauszugeben, endete in den 1930er Jahren mit der Verschleppung und Ermordung eines Großteils der damit befassten ForscherInnen, inklusive des Direktors des „Marx-Engels-Institut“ in Moskau, David Rjasanow. Ein zweiter Versuch (MEGA2) unter der Ägide der KPdSU- und SED- Führung endete mit dem Zusammenbruch des Realsozialismus. Von da an war es zwar möglich, unter neuen Vorzeichen die Marx’schen Originalmanuskripte zu bearbeiten und zu interpretieren; ein Ende der politischen Auseinandersetzung um die Herausgabe der Werke ist jedoch bis heute nicht in Sicht.

Termin: 28. Mai 2010, 19.30 Uhr

Jan Hoff: Was ist neu an der „neuen Marx-Lektüre?“ Eine internationale Perspektive

In den letzten Jahren hat in der Bundesrepublik Deutschland die sogenannte neue Marx-Lektüre von sich Reden gemacht – obwohl sie weder brandneu noch “Made in Germany” ist. Jan Hoff wird in seinem Vortrag der Frage nachgehen, was eigentlich neu ist an der “neuen Marx-Lektüre” und dabei vor dem Hintergrund seines gerade erschienenen Buchs “Marx global” eine internationale Perspektive einnehmen. Ausgangspunkt wird die Phase der Entstalinisierung Ende der 1950er Jahre sein. Der Stalinismus dominierte bis dato den Diskursraum zu Marx. Anhand ausgewählter Beispiele wird Jan Hoff zeigen, dass und wie sich die neue Marx-Lektüre neuen Fragen zuwandte, die bis heute die internationale Diskussion über das Marx’sche Kapital prägen.

Zur Vorbereitung: Brentel, Helmut (1989): Soziale Form und ökonomisches Objekt. Studien zum Gegenstands- und Methodenverständnis der Kritik der politischen Ökonomie, Opladen, 12-18

Termin: 5. Juli 2010, 19.30 Uhr

Pia Garske: Blinder Fleck, oder was? Marx’ Beitrag zur Analyse von Geschlechterverhältnissen

Ausgehend von dem berühmten Satz, in dem Marx den „Grad der weiblichen Emanzipation“ als das „Maß der allgemeinen Emanzipation“ einer Gesellschaft bestimmt, hat es engagierte Debatten darüber gegeben, ob und wie sich mit Marx’schem Analyseinstrumentarium die Geschlechterverhältnisse im Kapitalismus kritisch reflektieren lassen. Der Vorwurf, die Marx’sche Theorie sei bestenfalls geschlechtsblind, weil sie die Sphäre der Reproduktionstätigkeiten und andere Mechanismen der Herstellung der Geschlechterverhältnisse unterbelichte, steht die Sichtweise gegenüber, dass es für das Funktionieren des Kapitalismus letztlich bedeutungslos sei, welches Geschlecht die Ware Arbeitskraft hat, wie sie rassifiziert ist, ob sie jung ist oder alt. Kann also Marx für feministische Debatten und eine Kritik verwobener Herrschaftsverhältnisse fruchtbar gemacht werden, und wenn ja, wie? Funktioniert das auch in die andere Richtung? Und welche Geschichte haben Versuche, Marxismus und Feminismus zu verbinden oder aneinander zu entwickeln?

Termin: 11. Oktober 2010, 19.30 Uhr

Sonja Buckel: Alles was Recht ist Karl Marx und die materialistische Rechtstheorie

Auch wenn Marx keine Rechtstheorie oder -kritik hinterlassen hat, so hat er sich im Kapital durchaus zu einigen Anmerkungen zum bürgerlichen Recht hinreißen lassen. Darüberhinaus aber bietet die Kritik der Politischen Ökonomie einen gesellschaftskritischen Zugang, von dem aus eine materialistische Theorie des Rechts entwickelt werden kann. Sonja Buckel wird in ihrem Beitrag zeigen, wieso das Marx’sche Kapital wichtig für ein Verständnis des Rechts in Gesellschaften ist, in denen die kapitalistische Produktionsweise herrscht. Mit Marx lässt sich zeigen, dass das Recht in seiner spezifischen Form, ebenso wie Geld und Kapital, keine überhistorische Einrichtung jeder menschlichen Gesellschaft ist.

Termin: 15. November 2010, 19.30 Uhr

Thomas Sablowski: Kein Wunder, die Krise! Wieso die Stabilität kapitalistischer Produktionsweise erklärungsbedürftig ist

Marx spürt bereits ab den ersten Seiten des Kapitals krisenhaften Momenten der kapitalistischen Produktionsweise nach. Ohne Krise sei diese nicht denkbar, so Marx. Auch deshalb ist die Marx’sche Theorie vor dem Hintergrund der Krise der Weltwirtschaft wieder interessant geworden. Aber ganz so einfach wie Marx in den Feuilletons diskutiert wird, ist es nicht. Welche unterschiedlichen krisentheoretischen Ansätze gibt es bei Marx? Welche Rolle spielen hierbei der Kredit und das fiktive Kapital? Ging Marx von einem Zusammenbruch des Kapitalismus aus? Thomas Sablowski wird in seinem Vortrag die krisentheoretischen Implikationen von Marx’ Kritik der politischen Ökonomie vorstellen und diskutieren.

Termin: 13. Dezember 2010, 19.30 Uhr