Satellitenseminare 2009

Theoretische Grundlagenbildung bei der rls

Satellitenseminare – was ist das? Seit 2006 werden in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Kapital-Lektürekurse angeboten. Um diese regelmäßigen Lesetreffen herum kreisen verschiedene Satellitenseminare zu ausgewählten Fragen und Diskussionssträngen auf dem Feld der Kritik der Politischen Ökonomie: Wie ist das Kapital eigentlich entstanden? Welche unterschiedlichen Lesarten der Marxschen Theorie gibt es? Wie haben sich Autor/innen wie Rosa Luxemburg oder David Harvey von Marx für ihre Imperialismustheorien inspirieren lassen? Wie stünde Marx heute zu „Heuschrecken“ und „Raubtierkapitalismus“? Und nicht zuletzt: wie steht es um die Möglichkeit, mit Marx die Geschlechterverhältnisse kritisch zu reflektieren?

Satelliten sind offen für alle Interessierten. Vorkenntnisse des Marxschen Kapital sind hilfreich. Die Veranstaltungen im einzelnen:

„Wieso nicht die Krise, sondern die Stabilität kapitalistischer Produktionsweise das Wunder ist“ – Satellit mit Michael Krätke

Im zweiten Band des Kapital wird deutlich, dass es enorm vieler Voraussetzungen bedarf, damit die kapitalistische Produktionsweise überhaupt funktioniert. Über einen unkoordinierten Markt muss die Geldzirkulation die Reproduktion des Kapitalverhältnisses und die Verwertung des Kapitals ermöglichen. Im Anschluss an Rosa Luxemburg wird bis heute darüber diskutiert (David Harvey), ob Marx hierbei nicht vernachlässigt habe, dass dies nur unter der Voraussetzung kapitalistischer Expansion möglich ist. Zwar hat Marx keine abgeschlossene Krisentheorie entwickelt, jedoch zeigt sich in allen drei Bänden, wie instabil und prekär der Kapitalismus ist. Der zweite Band des Kapital stellt hierbei einen wichtigen Bezugspunkt dar und verweist zugleich auf den dritten Band. Erst hier verhandelt Marx systematisch Kredit und fiktives Kapital. Bei Michael Krätke wird der zweite Band im Mittelpunkt stehen. Die Veranstaltung dient als Vorbereitung auf den dritten Band des Kapital.

Termin: Mittwoch, 25. März 2009, 19.30 Uhr

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Um verbindliche Anmeldung wird gebeten bei Anne Steckner: steckner@rosalux.de

„Die vielen Schichten der Zwiebel: Wie das Kapital entstand“ – Satellit mit Rolf Hecker

Das Kapital von Karl Marx ist nicht vom Himmel gefallen. Es ist wie jeder Text unter bestimmten historischen, politischen und nicht zuletzt persönlichen Umständen entstanden. Wesentlichen Anteil an der rezipierten Textfassung der drei Bände des Kapital hatte Friedrich Engels. Zu Marx’ Lebzeiten kam nur der Erste Band des Kapital heraus, viele Manuskripte wurden erst Jahrzehnte nach seinem Tod herausgebracht, manche warten immer noch auf ihre Veröffentlichung. Doch die zahlreichen Original-Schichten unter den „Blauen Bänden“ werden ehrgeizig freigelegt, jüngst gerade zum Zweiten Band des Kapital. Rolf Hecker skizziert, wie das Kapital entstanden ist, führt in die Geschichte der verschiedenen Texteditionen ein und liefert einen Einblick in die spannende und ziemlich turbulente Reise der Marxschen Manuskripte durch halb Europa.

Termin: Mittwoch, 29. April 2009, 19.30 Uhr

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Um verbindliche Anmeldung wird gebeten bei Anne Steckner: steckner@rosalux.de

„Der Traum von Befreiung durch direkten und gerechten Tausch: zur Kritik der einfachen Warenproduktion“ – Satellit mit Nadja Rakowitz

Sowohl die Utopien der Frühsozialisten als auch die Freiwirtschaftslehre und aktuelle computergestützte Arbeitsstundenzettelmodelle reproduzieren das romantische Ideal des Warentausches ohne Geld, Zins und Kapital. Doch schon Marx wusste: die Gesellschaft der einfachen Warenproduzenten als Grundlage einer krisenfreien Wirtschaft gibt es nicht. Geld, Kredit und Krise gehören zwangsläufig zum Prinzip von Warenproduktion und Äquivalententausch. Indes schulden sich die Utopie von einer geld- und zinslosen Wirtschaftsordnung freier Produzent/innen einem falschen Verständnis der Marxschen Werttheorie, so Nadja Rakowitz. Wie nun diese irrtümliche Auffassung mit der gegenwärtig populären Kritik am Finanzkapitalismus und dessen Erscheinungsformen („Raubtier“, „Heuschrecke“, „Zinsknechtschaft“ etc.) zusammenhängt, wird Nadja Rakowitz näher beleuchten.

Termin: Mittwoch, 8. Juli 2009, 19.30 Uhr

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Um verbindliche Anmeldung wird gebeten bei Anne Steckner: steckner@rosalux.de

„Marx und Marxismus: zu den verschiedenen Lesarten der Marxschen Theorie“ – Satellit mit Ingo Elbe

Schon zu Lebzeiten soll Marx sich dagegen verwehrt haben, als Marxist bezeichnet zu werden. Was verschiedene Strömungen des Marxismus aus ihrem Namensgeber machten, hatte viel mit den Eigenheiten der Systemkonkurrenz zu tun und erschien lange Zeit als gesetzt. Erst im Zuge der Publikation bislang unveröffentlichter Manuskripte und in Abgrenzung zu traditionellen Lesarten der Kritik der Politischen Ökonomie entwickelte sich eine „neue Marx-Lektüre”. Ingo Elbe hat eine theoriegeschichtliche Aufarbeitung der zentralen Diskussionsstränge, Argumente und Resultate dieser Marx-Lektüre geleistet. Er stellt nicht nur die Vielfalt der jeweiligen Lesarten pointiert dar, sondern zeigt auch, wo die entscheidenden Unterschiede zur vorangegangenen Marx-Rezeption liegen. Er wird die Kernfragen vorstellen, um die die Debatten einer kritischen Aneignung der Marxschen Theorie kreisen.

Termin: Montag, 7. September 2009, 19.30 Uhr

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Um verbindliche Anmeldung wird gebeten bei Anne Steckner: steckner@rosalux.de

„Marx’ Beitrag zur Analyse von Geschlechterverhältnissen“ – Satellit mit Robin Stoller

Ausgehend von dem berühmten Satz, in dem Marx den „Grad der weiblichen Emanzipation“ als das „Maß der allgemeinen Emanzipation“ einer Gesellschaft bestimmt, hat es engagierte Debatten darüber gegeben, ob und wie sich mit Marxschem Analyseinstrumentarium die Geschlechterverhältnisse im Kapitalismus kritisch reflektieren lassen. Dem Vorwurf, die Marxsche Theorie sei bestenfalls geschlechtsblind, weil sie die Sphäre der Reproduktionstätigkeiten und andere Mechanismen der Herstellung der Geschlechterverhältnisse unterbelichte, steht die Sichtweise gegenüber, dass es für das Funktionieren des Kapitalismus letztlich bedeutungslos sei, ob die Ware Arbeitskraft männlich oder weiblich, weiß, farbig, jung oder alt ist. Kann also Marx oder an Marx angelehnte Ansätze für Gender-Debatten fruchtbar gemacht werden, und wenn ja, wie? Darüber wird Robin Stoller mit uns diskutieren.

Termin: Oktober 2009 (Aktualisierung auf dieser Seite)

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Um verbindliche Anmeldung wird gebeten bei Anne Steckner: steckner@rosalux.de