Satellitenseminare 2015

kapital lesekurse 2015

Karl Marx’ Kritik der politischen Ökonomie bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Seit 2006 organisiert die Rosa-Luxemburg-Stiftung «Kapital»-Lektürekurse. In wöchentlichen Treffen wird das Hauptwerk «Das Kapital» von Karl Marx  gemeinsam diskutiert. TeamerInnen strukturieren die Sitzungen, die TeilnehmerInnen stellen die gelesenen Textabschnitte kurz vor. Externe ReferentInnen laden wir zu Wiederholungssitzungen ein (Michael Heinrich) oder zu Vorträgen zum Thema Leben und Werk Karl Marx’ (Rolf Hecker). Um die «Kapital»-Lektüre herum kreisen übers Jahr verteilt verschiedene «Satellitenseminare». Hier werden ausgewählte Probleme und Fragen zum «Kapital» und darüber hinaus erörtert und vertieft: Wie sah die sozialistische ArbeiterInnenbewegung des 19. Jahrhunderts aus? Bleiben Care- beziehungsweise Sorgearbeiten im «Kapital» unberücksichtigt? Wie marxistisch ist Gramsci, und wie gramscianisch ist Marx? Kann Marx etwas zum Thema Gentrifizierung beisteuern?

Satelliten sind offen für alle Interessierten. Vorkenntnisse des Marxschen Kapital sind hilfreich.

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Flyer der Satellitenseminare 2015

Die Satellitenseminare im Jahr 2015

 
«….die /wirkliche /Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt» Marx, Engels und die sozialistische ArbeiterInnenbewegung des 19. Jahrhunderts
mit Ralf Hoffrogge
09.06.2015, 19.00-21.00 Uhr

In der Lebensspanne von Karl Marx und Friedrich Engels zwischen 1818 und 1895 entwickelte sich die sozialistische Bewegung in ungeahnten Sprüngen: von den bescheidenden Anfängen eines «Handwerkerkommunismus» Wilhelm Weitlings in den 1830er Jahren, der von Wandergesellen durch die Lande getragen wurde und noch stark christlich-moralisch geprägt war, über die ersten Gewerkschaften in der 1848er Revolution hin zur sozialistischen Massenpartei im entwickelten Industriekapitalismus. Gelobt vom alten Engels, war gerade die 1890 wieder gegründete Deutsche Sozialdemokratie hier eine Modellpartei in der 2. Internationale, auf die sich später fast alle sozialistischen und kommunistischen Parteien des 20. Jahrhunderts bezogen. Doch neben der Massenpartei sah das 19. Jahrhundert viele weitere Organisationsformen: den meuternden Pöbel, den revolutionären Geheimbund, den sozialistischen Studentenzirkel oder die Industriegewerkschaft. Zwischen Revolution und Gegenrevolution wurde so gut wie alles einmal ausprobiert. Der Historiker Ralf Hoffrogge wird einen Überblick dazu geben, welche Bewegungen Marx und Engels vorfanden und wie sie neben ihrer Tätigkeit als Theoretiker auch politisch organisierten und intervenierten.

 
Die Care-Seite der Warenproduktion: feministisch-marxistische Auseinandersetzungen mit Reproduktionsarbeit
mit Alexandra Wischnewski und Jette Hausotter
14.07.2015, 19.00-21.00 Uhr

«Der Wert der Arbeitskraft, gleich dem Wert jeder anderen Ware, ist bestimmt durch die zur Produktion, also auch Reproduktion, dieses spezifischen Artikels notwendige Arbeitszeit.» In dieser trockenen Definition aus dem «Kapital» bleibt unberücksichtigt, wer unter welchen Bedingungen Reproduktionsarbeit (je nach Perspektive auch als Care- oder Sorgearbeit bezeichnet) leistet. Es ist daher nicht verwunderlich, dass FeministInnen im Anschluss an Marx seit jeher den Zusammenhang von Geschlechterkonstruktionen, Arbeitsteilung, Herrschaft und Ökonomie in den Blick nehmen. Dies gilt für die sogenannte Hausarbeitsdebatte der 1970er Jahre vor dem Hintergrund des Familienernährermodells. Dies gilt aber ebenso für die heutigen Auseinandersetzungen angesichts widersprüchlicher Entwicklungen im neoliberalen Kapitalismus zwischen Kommodifizierung und Refamiliarisierung.

Die Referentinnen führen in ausgewählte Analysen und Debatten des marxistischen Feminismus ein und diskutieren aktuelle politische Strategien gegen die Krise sozialer Reproduktion.

 

«Karl, Antonio und wir?»
Satellitenseminar zu Marx und Gramsci
mit Janek Niggemann und Anne Steckner
20.10.2015, 19.00-21.00 Uhr
FÄLLT AUS!

Der Mitbegründer der italienischen Kommunistischen Partei, Antonio Gramsci, hat schwer mit dem Marxismus seiner Zeit gerungen. Dabei ist eine Erneuerung marxistischen Denkens herausgekommen, das sich eng auf Marx bezieht, zugleich eine neue Richtung einschlägt und den Horizont denkbarer Positionen erweitert. Wir bringen Karl und Antonio ins Gespräch miteinander: Wie und was konnte Gramsci von Marx lesen? Was versteht Gramsci unter Ideologie und Alltagsverstand? Inwiefern unterscheiden sich diese Begriffe von der Marxschen Konzeption des Fetischismus? Was verstehen beide jeweils unter Herrschaft, und warum ist der Kapitalismus so stabil? Wie können sich die Beherrschten gegen die erdrückenden Zustände zur Wehr setzen? Was hat das mit Bildung und Aufklärung zu tun? Warum ist es für die Revolution nicht damit getan, auf den Gang der Geschichte zu hoffen? Kurz: Wie marxistisch ist Gramsci, und wie gramscianisch ist Marx? Und wie sähen wohl ihre jeweiligen Antworten auf diese Fragen aus?

 

 Marx, die Grundrente und Gentrifizierung
mit Bernd Belina
24.11.2015, 19.00-21.00 Uhr
Verschoben auf den 15.12.2015, 19.00-21.00

Konflikte um Grund und Boden sind in die Städte zurückgekehrt. Mieterproteste gegen die Verdrängung aus der Innenstadt und Menschenblockaden gegen Zwangsräumungen – die städtischen Kämpfe haben zunehmend existenziellen Charakter und sind begleitet von Diskussionen über Gentrifizierung, von städtischen Großbauprojekten und der Warnung vor einer Immobilienblase. Aber was ist das? Ohne ein Verständnis der Inwertsetzung von Grund und Boden sind diese Konflikte kaum zu verstehen. Was sagt Karl Marx dazu im dritten Band des «Kapitals»? Hatte er dabei die kapitalistische Verstädterung im Blick? Oder hielt er sie für ein parasitäres Überbleibsel des Feudalismus? Am prominentesten hat der Geograph David Harvey Marx‘ Ausführungen zur Grundrente weiterentwickelt und gezeigt, dass Grund und Boden als fiktives Kapital fungieren. Auch hat er einen Zusammenhang zwischen der Überproduktion an Kapital, Krisen und Immobilienspekulation begründet. Wie sieht dieser aus? Warum hat das Kapital eine räumliche Dimension? Warum sind Klassenkonflikte immer und vor allem städtische Konflikte?