Satellitenseminare 2014

Karl Marx’ Kritik der politischen Ökonomie bei der Rosa-Luxemburg-Stiftung

daskapitallesen2014Seit 2006 finden in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Kapital-Kurse statt. In wöchentlichen Treffen wird das Hauptwerk Das Kapital von Karl Marx gemeinsam diskutiert. TeamerInnen strukturieren die Sitzungen, die Teilnehmenden stellen die gelesenen Textabschnitte kurz vor. Externe TeamerInnen laden wir zu Wiederholungssitzungen ein (Michael Heinrich) oder zum Thema Leben und Werk Karl Marx’ (Rolf Hecker). Um die Kapital-Lektüre herum kreisen übers Jahr verteilt verschiedene «Satellitenseminare». Hier werden ausgewählte Probleme und Fragen zum Kapital und darüber hinaus vertieft: Produziert Sklaverei keinen Wert und wird durch «freie Lohnarbeit» ersetzt? Was ist marxistische Rechtsphilosophie? Was sagt uns Marx zum Thema Staatsverschuldung? Und ist die Überwindung des Kapitalismus eine ausgemachte Sache?

Satelliten sind offen für alle Interessierten. Vorkenntnisse des Marxschen Kapital sind hilfreich.

Ort: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, Berlin (Raum wird im Foyer bekannt gegeben)

Programm der Satellitenseminare als pdf-Datei

Die Satellitenseminare im Jahr 2014:

 
 
Marx und die Sklaverei
mit Christian Frings
27. Mai 2014, 19.00-21.00 Uhr

Hat Marx die Bedeutung der Sklaverei für den Kapitalismus in seiner Kritik der politischen Ökonomie übersehen? Produziert Sklaverei keinen Wert und wird sie schon aus ökonomischer Zweckmäßigkeit durch «freie» Lohnarbeit ersetzt? Marx wird vorgeworfen, er habe die globalen Kämpfe gegen die Zwangsarbeit unterschätzt und damit der Idealisierung der «freien Arbeit» in den westlichen Arbeiterbewegungen Vorschub geleistet. Ausgehend vom Text des Kapital soll im Vortrag das kritische Potenzial des Begriffs der «doppelt freien Lohnarbeit» rekonstruiert und auf die moderne kapitalistische Sklaverei, die Marx selbst nicht systematisch untersucht hat, bezogen werden. Die neuere historische Forschung zu Sklaverei und zu «freier und unfreier Arbeit» hat viel dazu beigetragen, die spezifische Bedeutung dieser Ausbeutungsformen für den historischen Kapitalismus besser zu verstehen. In der politischen Zuspitzung stellt sich die Frage, ob Marx’ Rede von der «Lohnsklaverei» nur Metapher oder ein systematischer Begriff der Kritik ist.

Marxistische Rechtsphilosophie
mit Anne-Kathrin Krug
24. Juni 2014, 19.00-21.00 Uhr

In unseren modernen Gesellschaften scheint ein Leben ohne Recht nicht mehr denkbar zu sein. Fast alle Lebensbereiche und Institutionen – von der Mietwohnung bis zur Ausländerbehörde ‒ sind juristisch konstituiert. Die Frage, was Recht im Kapitalismus eigentlich ist, wird in den täglichen Auseinandersetzungen und sozialen Kämpfen oft gar nicht mehr gestellt. Interessante Einsichten hierzu lassen sich aber bei einer Denkrichtung finden, die unter dem Namen marxistische Rechtsphilosophie bzw. -theorie gefasst wird. Sah es nach dem Niedergang der realsozialistischen Staaten für eine Weile so aus, als würde von dieser Denktradition nicht mehr viel übrig bleiben, hat es in den letzten Jahren wieder eine intensivere Auseinandersetzung mit ihr gegeben. Das Seminar klärt zunächst, was unter marxistischer Rechtsphilosophie bzw. -theorie verstanden werden kann. Welche Bezugspunkte hat die marxsche Beschäftigung mit Recht hervorgebracht? Welche wurden wiederholt aufgegriffen? Im zweiten Teil der Veranstaltung werden dann einige aktuelle Werke zum Thema vorgestellt, kommentiert und zur Diskussion gestellt.

Staatsverschuldung als Kategorie der Kritik der politischen Ökonomie
mit Ingo Stützle
30. September 2014, 19.00-21.00 Uhr

Obwohl sich Marx bekanntlich viel mit dem Thema Staatsfinanzen beschäftigt hat, ist dieser Aspekt in der Marx-Forschung bisher eher vernachlässigt worden. Während Steuern werttheoretische Beachtung fanden, wurden öffentliche Schulden bislang kaum als spezifische Kategorie der politischen Ökonomie diskutiert. Das liegt wohl auch daran, dass der Staat, Steuern und öffentliche Verschuldung zwar in Marx’ Plänen zu einer Kritik der politischen Ökonomie auftauchen, er aber bekanntlich nicht einmal den zweiten Band des Kapital abschließen konnte. Mit der gegenwärtigen Debatte über Staatsverschuldung und Steueroasen gerät meist die vorherrschende Form der kapitalistischen Reichtumsproduktion aus dem Blick sowie die Bedeutung der öffentlichen Finanzen in diesem System. Warum etwa nimmt das «ökonomische Dasein» des Staates (Marx) die Form des Steuerstaates an? Der Vortrag soll diese und ähnliche Fragen beantworten und zeigen, dass der öffentliche Kredit eine besondere ökonomische Form ist und somit weder von seiner gesellschaftlichen Form, noch von seiner Art der Finanzierung als ein überhistorisches Phänomen zu begreifen ist.

Achtung: Veranstaltung fällt aus!
Überwindung des Kapitalismus als historische Notwendigkeit?
Streitgespräch mit Eva Bockenheimer und Ingo Stützle
Moderation: Anne Steckner
25. November 2014, 19.00-21.00 Uhr

«Die kapitalistische Produktionsweise erzeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses ihre eigene Negation» (MEW 23: 791). Diese und andere Passagen des marxschen Kapitals provozieren in den Lesekursen immer viele Fragen. Zum Beispiel die, ob die gegenwärtige globale Krise des Kapitalismus nicht die marxsche Prognose bestätigt, dass der Kapitalismus auf sein Ende zusteuert. Lässt sich mit Marx eine Entwicklung des Kapitalismus ausmachen, die notwendig zu seinem Untergang führen wird? Und ist es die historische Mission der Arbeiterbewegung, diesen Untergang bewusst im Sinne einer revolutionären Umwälzung herbeizuführen? Und lässt sich der Untergang überhaupt wissenschaftlich begründen? Schließlich analysierte Marx vor allem die allgemeinen Bewegungsgesetze des Kapitals. Die Beantwortung dieser Fragen hängt von der jeweiligen Lesart des Kapital ab und fällt recht unterschiedlich aus. Wir laden daher zu einem Streitgespräch ein, in dem wir die verschiedenen Marx-Interpretationen hinsichtlich dieser Fragen vorstellen und diskutieren wollen.