Warum “Das Kapital” lesen?
Anne am 24. November 2009 um 15:58Mit dem lauthals proklamierten “Ende der Geschichte” wurde nach dem Ende des real existierenden Sozialismus auch Karl Marx in die Mottenkiste verstaubter Theorien versenkt. Damit ist nicht nur die traditionelle Lesart der Kritik der Politischen Ökonomie verschwunden (Marxismus-Leninismus im Osten und traditioneller Marxismus im Westen), sondern auch die damals noch recht junge und unbekannte Kritik an diesen Lesarten. Durch eine gegenwärtig zu beobachtende Marx-Renaissance bekommt auch diese “neue Marx-Lektüre”, deren Wurzeln – mit wenigen Ausnahmen – in die 70er Jahre reichen, langsam wieder Aufwind und dient aktuellen, gesellschaftskritischen Analysen als wichtiger theoretischer Ansatz. Obwohl der Zugang zu Marx sich anfangs oft schwierig gestaltet, lohnt es sich daher allemal tiefer in das Original einzusteigen. Und gemeinsam ist es auch viel einfacher, als allein…
Wo, wie und mit wem “Das Kapital” lesen?
Seit dem Oktober 2006 werden in der Rosa-Luxemburg-Stiftung Kapital-Lesekurse angeboten. Die TeilnehmerInnen bereiten die Sitzungen – entweder alleine oder in Gruppen – selbst vor, indem sie in eigenen Worten die Argumentation des gelesenen Textabschnittes darlegen, bzw. versuchen nachzuvollziehen. Es gibt einen Leseplan, in dem die SeminarteilnehmerInnen ihren Wunschtermin eintragen können. Von den TeilnehmerInnen werden keine Vorkenntnisse verlangt, die Lesekurse wenden sich an “AnfängerInnen”, es gibt keine dummen Fragen und keine dummen Antworten. Die ReferentInnen, die durch die Lesekurse führen, geben keine allgemeingültige Interpretationsweise des Textes vor, vielmehr werden die TeilnehmerInnen mit den historisch und auch aktuell verschiedenen Lesarten des Textes vertraut gemacht. Jeder hat einen eigenen Kopf. Der sollte mit gebracht werden.
Ein Kurs zu Das Kapital, Band 1 (immer Montags, 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr, Seminarraum 2, 1. OG), beginnt am 15. Februar 2010, mit den Teamerinnen Valeria Bruschi und Antonella Muzzupappa. (Kontakt zu den Teamerinnen), vorläufiger Leseplan, Änderungen vorbehalten (pdf-Format)
Ein weiterer Kurs, der die Lektüre des Kapitals mit Band zwei und drei fortführt, (immer Mittwochs, 19.30 Uhr bis 21.30 Uhr, Seminarraum 739, 7. OG) beginnt am 3. Februar 2010 (Anmeldung bei Ingo Stützle). Den Leseplan findet Ihr hier.
Mailinglisten der Kurse:
Kapital, Band 1, bei Antonella und Valeria:
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Kapital, Band 2+3, bei Ingo:
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Kommendes Wochenende (27.-29. November) findet eine i
Die Marx-Herbstschule geht in die zweite Runde. Nachdem wir im letzten Jahr die “Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses” aus den Manuskripten des Kapitals diskutiert haben, soll dieses Jahr vom 20.-22. November 2009 daran anschließend der II. Band in Auszügen auf dem Plan stehen, ergänzt durch Passagen aus der neuen MEGA-Ausgabe. Diskutiert werden die zentralen Begriffe des Zirkulations- und Kreislaufprozesses des Kapitals. Das insgesamt dreitägige Seminar soll ein weiterführendes Angebot an all diejenigen sein, die bereits eine erste Bekanntschaft mit der Marxschen Kapitalismuskritik gemacht haben und mindestens den ersten Band schon gelesen haben.
»›Das Kapital‹ geht weg wie warme Weggli«, titelte am 14. Oktober 2008 der Schweizer Blick. Mit dieser Meldung brachte das Blatt eine Story, die in den letzten Wochen durch alle Medien geisterte: Der Verkauf des ersten Bands des »Kapital« hat sich nach Angaben des Berliner Karl Dietz Verlags, der unter anderem die Marx-Engels-Werke vertreibt, seit dem Jahr 2005 verdreifacht. Seither ist Verlagsleiter Jörn Schütrumpf ein gefragter Interviewpartner. Immer wieder muss er die gleichen Journalistenfragen beantworten, vor allem: Was sind das für Leute, die das Kapital lesen? Warum tun sie das? »Det ist die Krise«, erklärt der Verlagsleiter lakonisch.